Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (L) 2. Korinther 12,9

DruckKontaktRSS FeedsSpendenE-Mail Services

Synode

Startseite - Gremien - Synode

Vereinigungsvertrag unterschrieben– die Zukunft heißt Mitteldeutschland

Vor Beginn der Föderationssynode wurde am 15. Februar in Lutherstadt Wittenberg der Vereinigungsvertrag zwischen der Kirchenprovinz Sachsen und der Landeskirche Thüringen unterschrieben. Nachdem im Herbst auch die Synode der Kirchenprovinz den Vertrag mit Zwei-Drittel-Mehrheit ratifiziert hatte, besiegelten Bischof Axel Noack und Bischof Christoph Kähler damit die endgültige Vereinigung beider Landeskirchen zur Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM). Ab dem 1.1. 2009 soll es nur noch einen Bischof und eine Landessynode geben. Wie hat der Prozess überhaupt begonnen und wie geht es jetzt weiter?

Ein „kurzer“ historischer Diskurs

Bereits vor fast zehn Jahren begannen sich die Geschicke der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelischen Kirche Thüringens zu verbinden. Bereits in den späten 90er Jahren wurden die ersten Ideen zu Kirchenvereinigungen in Ostdeutschland geschmiedet, auch aus den Erfahrung der gemeinsamen Ostkirche zu DDR-Zeiten heraus. Sachsen mit der Kirchenprovinz? Anhalt, Thüringen und die Kirchenprovinz? Aus den anfänglichen Planspielen wurde im neuen Jahrtausend schließlich Realität, als 2000 die KPS und Thüringen den "Vertrag über die verbindlich strukturierte Kooperation mit dem Ziel einer Föderation" beschlossen. Ein von beiden Kirchenleitungen besetzter Kooperationsrat führte die beiden Landeskirchen erstmals aufeinander zu mit dem Ziel einer Föderation. Doch bis zur endgültigen Vereinigung floss noch sehr viel Wasser den Jordan herunter. Denn zunächst hieß das Ziel Föderation. Eine Föderation bedeutet in diesem Fall, dass es zwar eine gemeinsame Führungsebene gibt, aber die meisten kirchenpolitischen Entscheidungen immer noch in den weitgehend autonomen Gliedkirchen getroffen werden. Im Zuge der Kooperation wurden bereits einige wichtige Vereinheitlichungen getroffen, etwa die Gründung der Evangelischen Jugend in Thüringen als Vertretung beider Landeskirchen für den Freistaat oder die Zusammenlegung der drei Diakonischen Werke von Anhalt, der KPS und Thüringen. Übrigens war die kleine Landeskirche Anhalt, die sich zwischen Dessau und Roßlau an die Kirchenprovinz schmiegt, zuerst auch in die Beitrittsgespräche verwickelt, sprang aber unter dem jetzigen Kirchenpräsidenten Helge Klassohn schnell vom Dampfer der Föderation ab.2002 beschlossen die beiden Synoden dann schließlich im Föderationsvertrag, den Zusammenschluss beider in Landeskirchen in 2 Stufen (2004 und 2008) zu begründen. Außerdem sollte bis spätestens 2009 eine gemeinsame Verfassung beschlossen werden. Was für ein kirchenhistorischer Meilenstein! Was für starke Gefühle müssen die Mitglieder beider Landeskirchen zum ersten Mal empfunden haben, als sie begriffen, dass sich eine Million Christen aufeinander zu bewegten. Doch wie wurde die Notwendigkeit für die einzelnen Kirchenorgane begründet, an diesem kolossalen Projekt mitzuarbeiten? Die Argumentation fiel erstaunlich ökonomisch aus. Durch „Synergie- und Vernetzungsmöglichkeiten“ sollte Geld eingespart werden, um finanziellen Unsicherheiten durch den massiven Wegfall der Mitglieder begegnen zu können. Kulturelle und regionale Verbundenheiten spielten eher eine nachrangige Bedeutung. Konnte so jeder überzeugt werden?

2003 trafen sich die Synodalen dann zum ersten Mal in Halle. Das Ergebnis war ein offener Brief, die für die kommende Föderation stark warb. Denn am 01.07.2004 war es endlich soweit! Die Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland (EKM) konstituierte sich. Plötzlich gab es ein gemeinsames Kirchenamt mit zwei Geschäftsstellen in Eisenach und M agdeburg und einem Kollegium, eine Föderationssynode und eine Föderationskirchenleitung. Die Doppelspitze aus Synodenpräses und dem Vorsitzenden der Föderationskirchenleitung bildete für ein Jahr jeweils ein Duo aus beiden Landeskirchen. Im Klartext: War der Bischof aus der Kirchenprovinz Vorsitzender der Kirchenleitung, wurde der Thüringer Präses Vorsitzender der Föderationssynode, bevor es im nächsten Jahr wieder rotierte. Klingt das kompliziert? Ist es auch! Dieses fein ausbalancierte Machtgefüge sollte dazu dienen, dass keiner der zwei Partner sich auf den Schlips getreten fühlte. Doch in der Umsetzung führte die Wahrung des Gleichgewichts teilweise zu chaotischen Umständen. Gerade die paritätische Besetzung des Kirchenamtes und (daraus resultierend) der Austausch zwischen den beiden Geschäftsstellen endete oft in suboptimalen Verhältnissen. Auch bei den Plänen über die Reform der Mittleren Ebene( die Kirchenkreise gab es Auseinandersetzungen. Welche Auswirkungen hatte die Föderation nun auf die Evangelische Jugend? Auch das Kinder- und Jugendpfarramt wurde zusammengelegt und eine gemeinsame Landesjugendpfarrerin berufen. Die gesamte Evangelische Jugend soll im Bund Evangelischer Jugend in Mitteldeutschland (bejm) vertreten werden. Auf dem evangelischen Jugendcamp "grenzenlos" am 17. September 2006 in Volkenroda wurde dieser offiziell begründet. Eine gemeinsame Ordnung, u.a. über die Frage der Besetzung der Organe mit Ehren- und Hautamtlichen, wurde gerade erarbeit. Der lange Weg zwischen Magdeburg und Neudietendorf (dem Standort der Geschäftsstelle in Thüringen) führte jedoch auch in der Jugendarbeit zu einigen Schwierigkeiten.

Natürlich wurde das vorrangige Ziel, Einsparung durch Zusammenlegung von Verwaltung, Werken und Verbänden größtenteils erreicht. Doch die starke Arbeitsbelastung durch die große Entfernungen und auch größeren Verstimmungen bis tief in das Kirchenamt hinein brachte viele, vor allem in der Kirchenleitung zu der Erkenntnis, dass so nicht weitergehen konnte. Daher wurde 2006 den Synoden vorgeschlagen, die zweite Stufe der Föderation, die für 2008 vorgesehen war und eigentlich eine weitere Verdichtung bewirken sollte, zu erweitern. Das Ziel hieß nun die endgültige Vereinigung, um die Anpassungsschwierigkeiten bei der Zusammenlegung der Verwaltung überwinden zu können. Als neuer Standort für das Kirchenamt wurde Erfurt erkoren. Daher erarbeite die Verfassungskommission zwei Versionen, eine für die Vereinigung und eine für die verdichtete Föderation. Denn die Vereinigung war noch längst keine beschlossene Sache. Viele Konflikte brachen nun hervor. Es wurde heftig gestritten, über Rücklagen, die unterschiedlichen „politische Leitungskulturen“, die verschiedenen Bekenntnissen, die Probleme der Mitarbeiter und über die 5 Millionen, die nötig waren, um das Kirchenamt nach Erfurt zu verlagern. Der Konflikt war verständlich und vermeidlich, viele hatten ihre Landeskirche Jahrzehnte über erlebt und nun sollte sie plötzlich weg sein! Die Auseinandersetzungen erreichten ihren vorläufigen Höhepunkt im Frühjahr 2007. Als die beiden Teilkirchensynoden im Frühjahr über den Vereinigungsvertrag abstimmen sollten, kam es zu hochemotionalen Debatten im Plenum. Schließlich verfehlte die KPS-Synode die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit für die Ratifizierung des Vereinigungsvertrages knapp, während die Thüringer Synode zustimmte. Was für eine schwierige Situation war jetzt erreicht worden! Wie sollte es weitergehen, nachdem die KPS nicht in der Lage gewesen war, genügend Synodale zu überzeugen. Das ganze Projekt der Zusammenarbeit lag in der Schwebe, selbst Forderungen nach einem endgültigen Abbrechen der Föderation wurden laut. Doch noch in derselben Sitzung verabschiedeten die KPS-Synodalen fast einstimmig einen Auftrag an die Kirchenleitung, doch noch nach Wegen zu suchen, die Vereinigung zu ermöglichen. In langen Verhandlungen zwischen Vertretern beider Landeskirchen konnten einige der offenen Fragen geklärt werden. Auf einer gemeinsamen Konsultation im Sommer wurden den Synodalen dann veränderte Standortpläne für das Bischofsamt, ein mögliches Finanzsystem u.a. vorgestellt. In der Herbstsynode 2007 ratifizierte die Synode der KPS schließlich mit Zwei-Drittel-Mehrheit den Vereinigungsvertrag. Der Gemeinschaft stand nichts mehr im Wege.

Wie geht es nun weiter?

Ab dem 01.01.2009 werden die beiden Teilkirchen durch die (Vereinigte) Kirche Mitteldeutschlands abgelöst. Ab dann wird es nur noch einen Bischof in Magdeburg und eine Synode geben. Bis 2011 soll das Kirchenamt nach Erfurt verlegt werden. Doch um dies zu ermöglichen, muss noch in diesem Jahr die gemeinsame Verfassung verabschiedet werden. Daher läuft noch bis 31.03. das Stellungsnahmeverfahren zum Entwurf, an dem sich jeder beteiligen kann. Auch du! Im Herbst soll die Verfassung dann verabschiedet werden. 2009 werden es dann gemeinsame Wahlen zum Bischof und zur neuen Synode geben. Alle alten Organe der Teilkirchen lösen sich auf.

Weitere Anpassungen in näherer werden die neue Struktur der Kirchlichen Verwaltungsämter, die Verteilung der Propsteien und die weitere Zusammenlegung der Ämter und Werke seien. Auch über ein neues Finanzsystem wird verhandelt werden. Möglicherweise werden in nicht allzu ferner Zeit auch die ersten Kirchenkreise zusammengelegt werden.

Hat die Vereinigung auch auf den Landesjugendkonvent Auswirkungen? Natürlich wird sich auch der LJK verändern. Aber wir haben nicht den Druck, uns sofort mit dem Thüringer Landesjugendkonvent zusammenzuschließen. Wir bestimmen selbst die Zeit und die Vorgehensweise und die Thüringer ebenso.

Jacob Beuchel

......

Zurück zur Übersicht

Die Synodendelegierten des Landesjugendkonventes

Erfahrungsbericht einer Synodentagung

Herzklopfend bin ich nach meiner Wahl zum Jugendsynodalen vor drei Jahren nach Erfurt gefahren. Es war eine ganz neue Erfahrung, überall beschäftige Anzugträger zu sehen. Nun saß ich dort in meiner Reihe, hatte ein schönes Namensschild und alle sahen einen neugierig an. Die Themen schossen nur so aneinander vorbei. Paragraph so und so, Absatz da. Wir waren leicht verwirrt, zudem lag jede Minute ein neues Papier vor uns. In den Pausen und vor allem am Abend wurden die Synodalen etwas lockerer und schnell kamen wir ins Gespräch über dies und jenes. Wir stellten fest: die Synodalen waren ja auch Menschen! Ein besonderes Highlight ist das Angebot unseres Bischofs Axel Noack, welcher uns zu sich nach Hause einlädt um im Vorfeld vor jeder Synode schon einmal über gewissen Themen zu sprechen und viele Fragen zu stellen. Und nun ist es schon drei Jahre her und mit jedem Mal wurde der Blick mehr geschärft und wurden die vielen Blätter durchsichtiger. Der Briefkasten ist nun immer voll und doch freut man sich immer wieder auf jede neue Tagung um dabei zu sein, wenn einschlägige Dinge für die Zukunft entstehen. Und ein gewonnenes Ziel ist das Stimmrecht für uns. Aber natürlich geht es um mehr als das. Zwei Kirchen sind auf dem Weg zur Vereinigung und da muss alles und ich meine wirklich alles! neu erarbeitet besprochen und entschieden werden. Wir Jugendsynodalen finden es besonders in diesen Momenten sehr spannend dabei zu sein und manch ein Paragraph hat längst seinen Schrecken verloren. Somit bin ich für uns immer noch dabei und find mittlerweile viele der Anzugträger sympathisch.

Mandy Lamprecht